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Nietzsche, Friedrich (1844-1900)

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Also kann der Mensch nur eine Erhöhung seiner selbst anstreben. Nietzsche lehnt die christlichen Tugenden ab; zum Beispiel, dass die Seele alles ist und der Leib nichts bedeutet. Er bezieht sich in seinen Manuskripten und im Zarathustra auf die Wichtigkeit des physischen Lebens auf der Erde und nicht auf die “... überirdischen Hoffnungen...” (Jenseitsglaube). Das dionysische Prinzip, versteht er als rauschhaft, irrationale Erleben, das er als schöpferische Urkraft ansieht. Er stellt dies dem sokratischen Denken Gegenüber, das die systematische Rationalität betont.
Er ist gegen ein “..freveln...” an der Erde in Form einer Ausbeutung, da die einzige Zukunft auf der Erde ist und nicht auf eine Welt danach ausgerichtet ist. Für Nietzsche sind Wahrheiten nichts objektives, sondern sie sind relativ, da sie durch historische Umstände bedingt sind.
Seine Empfehlung: “Du gehst zu Frauen? Vergiß die Peitsche nicht!” deuten die autobiographischen Züge an, da er durch die Enttäuschung an den Frauen, die er liebte, die Intrigen Elisabeths (seiner Schwester) und die Dummheit der Mutter, an den Rand der Verzweiflung, möglicherweise des Selbstmords getrieben wurde.
Nietzsches Werke zeigen psychologische Aspekte, wie sie bisher in der Philosophie nicht zu beobachten waren.
Nietzsche ist kein systematischer Denker. Es gibt keinen Einstieg über klar definierte Begriffe, die uns erleichtern würden, ihn zu verstehen. Das Werk der meisten Philosophen läßt sich verstehen, ohne über ihre Lebensgeschichte in Einzelheiten informiert zu sein. Bei Nietzsche verhält es sich eher umgekehrt. Niemand vor ihm hat so selbstbezogen philosophiert wie er, kaum einer hat so zerstörerisch sich zur eigenen Tradition verhalten, nur wenige haben zur eigenen Zeit sich so quergelegt und ihren Nachfahren so viele Rätsel und Widersprüche hinterlassen. Der Philosoph lehnte die Aufklärung und den sokratischen Geist, d.h. die Gleichsetzung von Vernunft, Tugend, Glück und auch die Erlangung von Erkenntnissen durch wissenschaftliche Methoden ab.
Seine Ansichten wechseln während seines Lebens teilweise ins Gegenteil. Die Ursache ist die ständige kritische Auseinandersetzung mit seiner Umwelt, die ihm zu dieser Überzeugung führt. Zum Beispiel war er aufgrund seiner Erziehung und seines Elternhauses streng religiös, doch 1888 entstand sein Werk “Der Antichrist”. Dieser Verlust des Glaubens war wohl das entscheidendste Ereignis in Nietzsches Entwicklung. Er stellte die Sklavenmoral des Christentums der Moral des freien Geistes gegenüber. Auch seine Einstellung zur Romantik veränderte sich im Laufe des Lebens. Anfangs war er überzeugt von den Deutschen und pries sie als das “berühmte Volk der Innerlichkeit”. Später kritisierte er die Deutschen und ihre Art als unterwürfig, neidisch und zurückgeblieben. Die Besserwisserei der akademischen Betriebe und die Oberflächlichkeit die sich im Kulturleben ausbreitete war ihm zuwider.
  
Stefan Zweig. Gesammelte Werke in Einzelbänden: Der Kampf mit dem Dämon: Hölderlin, Kleist, Nietzsche. Gesammelte Werke in Einzelbänden
Siehe auch:
Stefan Zweig. Gesammelte Werke in Einzelbänden:...
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