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Also kann der Mensch nur eine Erhöhung seiner selbst anstreben.
Nietzsche lehnt die christlichen Tugenden ab; zum Beispiel, dass die Seele alles
ist und der Leib nichts bedeutet. Er bezieht sich in seinen Manuskripten und im
Zarathustra auf die Wichtigkeit des physischen Lebens auf der Erde und nicht auf
die “... überirdischen Hoffnungen...” (Jenseitsglaube). Das
dionysische Prinzip, versteht er als rauschhaft, irrationale Erleben, das er als
schöpferische Urkraft ansieht. Er stellt dies dem sokratischen Denken
Gegenüber, das die systematische Rationalität betont.
Er ist gegen ein “..freveln...” an der Erde in Form einer
Ausbeutung, da die einzige Zukunft auf der Erde ist und nicht auf eine Welt
danach ausgerichtet ist. Für Nietzsche sind Wahrheiten nichts objektives,
sondern sie sind relativ, da sie durch historische Umstände bedingt sind.
Seine Empfehlung: “Du gehst zu Frauen? Vergiß die Peitsche
nicht!” deuten die autobiographischen Züge an, da er durch die
Enttäuschung an den Frauen, die er liebte, die Intrigen Elisabeths (seiner
Schwester) und die Dummheit der Mutter, an den Rand der Verzweiflung,
möglicherweise des Selbstmords getrieben wurde.
Nietzsches Werke zeigen psychologische Aspekte, wie sie bisher in der
Philosophie nicht zu beobachten waren.
Nietzsche ist kein systematischer Denker. Es gibt keinen Einstieg über
klar definierte Begriffe, die uns erleichtern würden, ihn zu verstehen. Das
Werk der meisten Philosophen läßt sich verstehen, ohne über ihre
Lebensgeschichte in Einzelheiten informiert zu sein. Bei Nietzsche verhält
es sich eher umgekehrt. Niemand vor ihm hat so selbstbezogen philosophiert wie
er, kaum einer hat so zerstörerisch sich zur eigenen Tradition verhalten,
nur wenige haben zur eigenen Zeit sich so quergelegt und ihren Nachfahren so
viele Rätsel und Widersprüche hinterlassen. Der Philosoph lehnte die
Aufklärung und den sokratischen Geist, d.h. die Gleichsetzung von Vernunft,
Tugend, Glück und auch die Erlangung von Erkenntnissen durch
wissenschaftliche Methoden ab.
Seine Ansichten wechseln während seines Lebens teilweise ins
Gegenteil. Die Ursache ist die ständige kritische Auseinandersetzung mit
seiner Umwelt, die ihm zu dieser Überzeugung führt. Zum Beispiel war
er aufgrund seiner Erziehung und seines Elternhauses streng religiös, doch
1888 entstand sein Werk “Der Antichrist”. Dieser Verlust des
Glaubens war wohl das entscheidendste Ereignis in Nietzsches Entwicklung. Er
stellte die Sklavenmoral des Christentums der Moral des freien Geistes
gegenüber. Auch seine Einstellung zur Romantik veränderte sich im
Laufe des Lebens. Anfangs war er überzeugt von den Deutschen und pries sie
als das “berühmte Volk der Innerlichkeit”. Später
kritisierte er die Deutschen und ihre Art als unterwürfig, neidisch und
zurückgeblieben. Die Besserwisserei der akademischen Betriebe und die
Oberflächlichkeit die sich im Kulturleben ausbreitete war ihm
zuwider.
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