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Die Krankheiten (Augenprobleme, Kopfschmerzen) wurden fortan zu
äußerst belastenden Problem seiner Existenz. Zwischen 1873 und 1876
entstanden die “Unzeitgemäßen Betrachtungen” in vier
Einzelveröffentlichungen, die alle Zeichen des Wandels und der
Neuorientierung zeigten. Das Jahr 1873 hatte die ersten Enttäuschungen der
Freundschaft gebracht: Wagner war im Januar verärgert über Nietzsches
Fernbleiben, und im April war Nietzsche es, der von seinem nachgeholten Besuch
deprimiert war, da die Gespräche sich um Wagners Sorgen und nicht um
Nietzsches halbfertiges Manuskript drehten.
Der Gelehrte fand ein kritisches, distanziertes Verhältnis zu Wagner.
Für Nietzsche war Wagner kein Seher der Zukunft und in seiner Arbeit
“Nietzsche contra Wagner” sagt er: “Ich vertrage nichts
Zweideutiges; seitdem Wagner in Deutschland war, kondeszendierte er Schritt
für Schritt zu allem, was ich verachte - selbst zum Antisemitismus... Es
war in der Tat damals höchste Zeit, Abschied zu nehmen: alsbald schon bekam
ich den Beweis dafür. Richard Wagner, scheinbar der Siegreichste, in
Wahrheit ein morsch gewordener verzweifelnder décadent, sank
plötzlich, hilflos und zerbrochen, vor dem christlichen Kreuze
nieder...”.
In seinem weiteren Dasein schenkte Nietzsche weiteren zwei Damen sein Herz,
doch das Interesse der Damen war nicht derart, dass sie sich ihn als
Lebensgefährten wünschten.
In Sorrent begegneten sich Wagner und der Umhergetriebene zufällig. Es
war das letzte Mal, dass sie sich sahen. In seinem Buch “Menschliches -
Allzumenschliches” (1878) höhnte Nietzsche über Wagner der nur
als “... Künstler ...” apostrophiert war.
Zu dieser Zeit war der Philosoph ein schwerkranker Mann, sodass er nicht
mehr zu unterrichten brauchte und an der Universität kündigte.
Ob der ruhelose Wanderer in Basel, Sorrent, Bad Ragau, Naumburg, Bad Bex,
Chur, Riva oder Venedig war, er mußte sich stets mit seinen Manuskripten
beschäftigen, die ihm als Basis für seine weiteren Bücher
dienten, wie der “Morgenröte, Gedanken über menschliche
Vorurteile”. Darauf folgte “Die fröhliche Wissenschaft”,
die quasi ein Vorspiel für sein bedeutendstes Werk “Also sprach
Zarathustra” war. Nietzsche nennt sein Werk auch das fünfte
Evangelium, weil es ein Reich ohne Transzendenz verheißen soll. Da laut
Nietzsche “Gott tot ist”, stimmen unsere Anschauungen über
Wahrheit, Lüge, Wissenschaft, Kunst nicht mehr. Alles hat seinen Sinn
verloren und die Rolle des Menschen muß neu durchdacht werden. Diese
Ansicht über die Entwertung der Werte machte ihn zu einem Wortführer
des Nihilismus. Bei ihm erfolgt jedoch die Hinwendung auf das Diesseits, die
letztendlich eine positive Einstellung darstellt, da sie das Lustprinzip
freigibt.
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