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Nietzsche, Friedrich (1844-1900)

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Die Krankheiten (Augenprobleme, Kopfschmerzen) wurden fortan zu äußerst belastenden Problem seiner Existenz. Zwischen 1873 und 1876 entstanden die “Unzeitgemäßen Betrachtungen” in vier Einzelveröffentlichungen, die alle Zeichen des Wandels und der Neuorientierung zeigten. Das Jahr 1873 hatte die ersten Enttäuschungen der Freundschaft gebracht: Wagner war im Januar verärgert über Nietzsches Fernbleiben, und im April war Nietzsche es, der von seinem nachgeholten Besuch deprimiert war, da die Gespräche sich um Wagners Sorgen und nicht um Nietzsches halbfertiges Manuskript drehten.
Der Gelehrte fand ein kritisches, distanziertes Verhältnis zu Wagner. Für Nietzsche war Wagner kein Seher der Zukunft und in seiner Arbeit “Nietzsche contra Wagner” sagt er: “Ich vertrage nichts Zweideutiges; seitdem Wagner in Deutschland war, kondeszendierte er Schritt für Schritt zu allem, was ich verachte - selbst zum Antisemitismus... Es war in der Tat damals höchste Zeit, Abschied zu nehmen: alsbald schon bekam ich den Beweis dafür. Richard Wagner, scheinbar der Siegreichste, in Wahrheit ein morsch gewordener verzweifelnder décadent, sank plötzlich, hilflos und zerbrochen, vor dem christlichen Kreuze nieder...”.
In seinem weiteren Dasein schenkte Nietzsche weiteren zwei Damen sein Herz, doch das Interesse der Damen war nicht derart, dass sie sich ihn als Lebensgefährten wünschten.
In Sorrent begegneten sich Wagner und der Umhergetriebene zufällig. Es war das letzte Mal, dass sie sich sahen. In seinem Buch “Menschliches - Allzumenschliches” (1878) höhnte Nietzsche über Wagner der nur als “... Künstler ...” apostrophiert war.
Zu dieser Zeit war der Philosoph ein schwerkranker Mann, sodass er nicht mehr zu unterrichten brauchte und an der Universität kündigte.
Ob der ruhelose Wanderer in Basel, Sorrent, Bad Ragau, Naumburg, Bad Bex, Chur, Riva oder Venedig war, er mußte sich stets mit seinen Manuskripten beschäftigen, die ihm als Basis für seine weiteren Bücher dienten, wie der “Morgenröte, Gedanken über menschliche Vorurteile”. Darauf folgte “Die fröhliche Wissenschaft”, die quasi ein Vorspiel für sein bedeutendstes Werk “Also sprach Zarathustra” war. Nietzsche nennt sein Werk auch das fünfte Evangelium, weil es ein Reich ohne Transzendenz verheißen soll. Da laut Nietzsche “Gott tot ist”, stimmen unsere Anschauungen über Wahrheit, Lüge, Wissenschaft, Kunst nicht mehr. Alles hat seinen Sinn verloren und die Rolle des Menschen muß neu durchdacht werden. Diese Ansicht über die Entwertung der Werte machte ihn zu einem Wortführer des Nihilismus. Bei ihm erfolgt jedoch die Hinwendung auf das Diesseits, die letztendlich eine positive Einstellung darstellt, da sie das Lustprinzip freigibt.
  

von Michael Tanner
Siehe auch:
Meisterdenker: Kant: 1724 - 1804
Meisterdenker: Hegel: 1770 - 1831
Meisterdenker: Marx: 1818 - 1883
Meisterdenker: Wittgenstein: 1889 - 1951
Meisterdenker: Schopenhauer: 1788 - 1860
Meisterdenker: Platon
 
   
 
     
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