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In Bonn begann Nietzsche sein Studium der Altphilologie und belegte
Vorlesungen über Kunst- und Kirchengeschichte, Theologie und Politik. Die
Altphilologischen Studien waren überschattet durch Streitereien seiner
Lehrer Ritschl und Jahn, die innerhalb der Universität skandalartige
Ausmaße annahmen. So war Nietzsches Entschluß, Bonn zu verlassen und
vom dritten Semester an in Leipzig zu studieren, bald gefasst. Die Tatsache,
dass Ritschl einen Ruf nach Leipzig erhielt, mag seinen Abschied von Bonn
erleichtert haben. Ritschl privat gegebene Anregung einen philologischen Verein
zu gründen, fand Nietzsches Beifall. Schon bald konnte Nietzsche hier im
kleinen Kreis dozieren. Sein erster Vortrag, dem noch weitere folgen sollten,
galt einer neuen Ausgabe der Gedichte des Theognis von Megara. Der Erfolg seiner
Darlegungen ermutigte ihn, Ritschl seine frühere Arbeit über Theognis
zu zeigen. Nietzsche erntete Lob, und Ritschl empfahl ihm, das Manuskript
für die Veröffentlichung umzuarbeiten.
Ein weiterer Vortrag Nietzsches beschäftigte sich mit den
Verzeichnissen zu den aristotelischen Schriften und setzte ein besonderes
quellenkritisches Studium voraus. Auf Ritschls Vorschlag stiftete die
Universität für dieses Thema einen Preis, den Nietzsches Arbeit
erhielt und die daraufhin in mehreren Nummern des “Rheinischen
Museums” abgedruckt wurde. Andere Veröffentlichungen folgten: die
Studie über Theognis erschien ebenso im “Rheinischen Museum”,
wie ein Manuskript über Simonides “Ode an Danae”. So wurde
Nietzsches Namen in der gelehrten Welt seines Faches schnell bekannt und er
stand durchaus schon im Rufe eines qualifizierten jungen Wissenschaftlers, als
ihm - wiederum auf Betreiben Ritschls - noch vor Abschluß seiner Studien
die Professur in Basel angetragen wurde. Nietzsche blieb noch in Leipzig, da er
noch das Wintersemester vor sich hatte.
Friedrich verliebte sich in Hedwig Raabe, eine Schauspielerin, die im
Sommer 1866 in Leipzig gastierte und deren Kunst er sehr bewunderte. Der
kontaktschwache Jüngling liebte Fräulein Raabe aber nur von Ferne.
Seine Leidenschaft fand in einigen Liedern Ausdruck, die er selbst vertonte und
die er der Dame seines Herzens mit einem überschwenglichen und zugleich
gezierten Widmung übersandte. Nietzsche hatte oft ein gehemmtes,
distanziertes und fast immer unengagiertes Verhältnis zu Frauen.
In Leipzig lernte Friedrich auch Erwin Rohde kennen. Mit ihm unternahm
Nietzsche auch am Ende seiner Studienzeit eine Wanderfahrt nach Meiningen zu
einem Musikfest der Wagnerianer. Wagner und Schopenhauer, dass waren damals zwei
Vertreter derselben spätromantischen Welt, die Nietzsches Wesen formten.
Der junge Philosoph mußte sich 1867 zum einjährigen
Militärdienst melden, den er bei Naumburg verbringen und somit zu Hause
wohnen konnte. Nach einem Reitunfall verheilte eine Verletzung der Brust nur
langsam, so daß er bis zum Ablauf der Dienstzeit Krankenurlaub bekam. Nach
dem Ende des Semesters ging er nach Basel, wo er mit 24 ½ Jahren zum
Professor der klassischen Philologie ernannt wurde. Während Nietzsche in
Kontakt zu Rhode blieb nutzte er die Gelegenheit, die Bekanntschaft mit dem 31
Jahre älteren Richard Wagner, der damals in Tribschen bei Luzern lebte, zu
erneuern. Richard Wagner und seine Frau Cosima fanden Gefallen an dem jungen
Gelehrten, die beiderseitige Vertrautheit wuchs schnell, und schon bald
gehörte Nietzsche mehr oder weniger zu dem großzügigen Haushalt,
war nicht nur gern gesehener Gast, sondern erhielt für dauernd zwei Zimmer
zugewiesen, konnte kommen und gehen, wann immer er wollte, und hielt sich so oft
wie möglich in Tribschen auf . Vom Zauber dieser Freundschaft, die ihm wohl
zum erstenmal seit seiner Kindheit so etwas wie ein Heim bot, war Nietzsche
geblendet. Die dunklen Seiten Wagners, der herrische Charakter, der Egoismus,
die Skrupellosigkeit und Verschwendungssucht des Meisters, blieben ihm damals
verborgen. Dieses Glück eine neue Heimat zu haben dauerte fast 3 Jahre.
Dann zog Wagner nach Bayreuth, wo ihn Nietzsche später besuchte, um der
Grundsteinlegung des Festspielhauses beizuwohnen. Unterbrochen war die
Gemeinsamkeit nur von August bis Oktober 1870, als Nietzsche als freiwilliger
Krankenpfleger am Deutsch-Französischen Krieg teilnahm. Doch wie auch schon
seine frühere militärische Ausbildung endete auch dieser Dienst
vorzeitig durch Krankheit. Als Begleiter eines Verwundetentransports zog
Nietzsche sich Ruhr und Diphtherie zu. Er genas langsam, kehrte nach Basel
zurück und begann, den Krieg und die Hegemonie Preußens, für die
er bisher so eingenommen war, mit Skepsis zu betrachten. In Basel war er als
Lehrer nicht unbeliebt, und die Basler dankten ihm 1872 die Ablehnung eines
Rufes nach Greifswald mit einer Erhöhung seines Gehaltes von 3000 auf 4000
Franken. 1871 veröffentlichte Nietzsche in Basel das Werk “Die Geburt
der Tragödie”, welches sich gegen Sokrates und damit gegen den Geist
der Aufklärung wandte. Sein Werk fand nur Anklang bei wenigen,
einschließlich Wagner. Die Gegner seines Werkes waren empört, die
Studenten blieben aus und Nietzsche erlangte nie wieder seinen Ruf als
Wissenschaftler zurück, sondern galt als Kritiker seiner Zeit.
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